Verdi tarifvertrag einzelhandel 2020

Im April musste Amazon sechs Distributionszentren in Frankreich schließen, nachdem ein Gericht entschieden hatte, dass der Einzelhandelsriese nicht genug tue, um die Mitarbeiter zu schützen. Die Änderungen der Texte treten am 1.4.2020 in Kraft, sofern nichts anderes angegeben ist. Die Walkouts, unter dem Motto “Kein Rabatt mehr auf unsere Einkommen”, begannen über Nacht und fallen mit Amazons Prime Day zusammen, wenn der US-Online-Handelsriese seinen “Prime”-Kunden Rabattangebote anbietet. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Markt. Die Gewerkschaft Verdi rief zum 48-stündigen Streik auf, um die Tarifverhandlungen mit dem Einzelhandelsriesen “zu beschleunigen”. Die Gewerkschaft strebt seit langem einen Tarifvertrag für deutsche Amazon-Beschäftigte an. Sie will, dass die Amazon-Mitarbeiter Teil der Tarifstruktur des deutschen Einzelhandels werden. Die Verhandlungsparteien Service Union United PAM und der finnische Handelsverband stritten sich seit 2013 in einem Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft strebt einen Tarifvertrag für die Beschäftigten in deutschen Verteilzentren an, der sich an der Einzelhandels- und Versandwirtschaft orientiert. “Wir erhöhen das Tempo, weil Amazon bis jetzt keine Einsicht zeigt und die Gesundheit der Mitarbeiter zugunsten des Profits gefährdet”, sagte Orhan Akman, bei der Gewerkschaft für den Einzelhandel und den Versandhandel zuständig. Die deutsche Gewerkschaft Verdi unterstützt das Job-Massaker bei der Warenhauskette [26. Juni 2020] Amazon hat solche Forderungen zurückgewiesen und darauf bestanden, dass es auch ohne Tarifverhandlungen und die von ihr bezahlten Löhne ein “fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber” sei. Wie man kaum ein halbes Jahr später hätte erwarten können, ist davon nichts mehr übrig.

Stattdessen setzt der am 19. Juni angekündigte neue Vertrag erneut Lohnkürzungen durch. Die im Dezember 2019 beschlossenen Mindestlohnerhöhungen von 0,3 Prozent für 2020 und mögliche (!) Lohnerhöhungen für 2021 wurden von Verdi rückwirkend in Arbeitszeitgutschriften umgewandelt, mit entsprechenden Folgen für das Jahreseinkommen sowie kurzarbeit und Arbeitslosengeld. Eine Woche zuvor hatte Verdi den Abschluss eines Tarifvertrags mit dem Unternehmen angekündigt, der sich in einem sogenannten freiwilligen Insolvenzverfahren befindet. Bundesweit sollen 62 Filialen geschlossen werden – mehr als ein Drittel! – und mehr als 6.000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Einen Tag nach den Kundgebungen, die in Form von Menschenketten und ähnlich machtlosen symbolischen Aktionen stattfanden, kündigte Verdi einen Tarifvertrag mit der Galleria Kaufhof Karstadt über die Schließung von 50 Feinkostgeschäften an, bei denen 637 von 2.100 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verloren. Ein Amazon-Sprecher sagte, das Unternehmen sei ein fairer und verantwortungsbewusster Arbeitgeber, auch ohne einen Tarifvertrag zu haben, und fügte hinzu: “In unseren Fulfillment-Centern sind unsere Löhne am oberen Ende dessen, was in vergleichbaren Jobs bezahlt wird.” Als Erfindung der Gewerkschaften waren sie bereits während der Massenentlassungen während der Wiederherstellung des Kapitalismus in der DDR in den 1990er Jahren berüchtigt. Sie sollen die Arbeitnehmer demoralisieren und verhindern, dass sie aktiv gegen die von der Gewerkschaft und der Geschäftsleitung vereinbarten Schließungen kämpfen. Verdi forderte zudem, tariflich verbindliche Tarifverträge im einzelhandel zu machen. Im Depot des Online-Händlers in Bretigny-sur-Orge, südlich von Paris, blockierten Dutzende Vonsader nächtige den Weg von Lastwagen, die versuchten, das Gelände zu betreten.

“Während Amazon am Prime Day die Schnäppchenjagd mit saftigen Rabatten anheizt, wird den Mitarbeitern ein existenzsichernder Lohn vorenthalten”, sagte Verdi-Einzelhandelsexperte Orhan Akman in einer Mitteilung. Unternehmen mit bundesweiten Betrieben oder über 800 Mitarbeitern müssen über eine Shop Steward-Organisation verhandeln, um die lokale Interaktion zu erhöhen. Der Tarifvertrag legt ein Minimum an zu erörternden Fragen fest. “Das Unternehmen muss endlich die Tarifverträge für den Einzel- und Versandhandel anerkennen”, sagte Akman. “Gehälter und Gehälter bei Amazon dürfen nicht mehr im Stil eines Herren des Herrenhauses festgelegt werden.” Der Tarifvertrag für Arbeitnehmer im gewerblichen Bereich legt Mindestarbeitsbedingungen für die Arbeit im Einzelhandel wie Bezahlung, Arbeitszeitzulagen, Arbeitszeiten und Urlaub fest.